Strategische Unternehmensplanung mit Hilfe der Portfolio-Technik

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Die Kostenerfahrungskurve

Die Kostenerfahrungskurve basiert auf dem von der US AIR FORCE 1925 erstmals beobachteten Lernkurveneffekt, der besagt, daß die erforderliche Arbeitszeit für bestimmte Aufgaben mit zunehmender Ausbringungsmenge sinkt. Dieser Effekt wurde 1966 von der Boston Consulting Group (BCG) auf das Verhalten von Kosten eines Geschäftsfeldes erweitert.

Die BCG definiert einen zahlungswirksamen Kostenbegriff aus:

Kosten = (komulierter Cash-Outflow) / (kumulierte Produktionsmenge)

Eine Glättung (geglättete Veränderungsrate) der Werte erfolgt deshalb, weil bei kurzfristigen Betrachtungen größere Schwankungen auftreten und die Ergebnisse verzerren können.

Der Inhalt der Aussage der Kostenerfahrungskurve ist: Mit jeder Verdoppelung der kumulierten Produktionsmengen gehen die auf die Wertschöpfung bezogenen, zahlungswirksamen Stückkosten eines Produkts potentiell, inflationsbereinigt um einen bestimmten Prozentsatz zurück. In der Literatur wird häufig von 20-30% ausgegangen.

Bestätigt wurde dieses Phänomen in den unterschiedlichsten Industriebranchen, vor allem in Branchen mit hohem Innovationsgrad (Chemie, Elektronik) sowie im Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen). Verantwortlich für den Erfahrungskurveneffekt sind im wesentlichen drei Punkte:

Ursache Bedeutung
Fixkostendegression Eine Verringerung der Fixkosten ergibt sich dadurch, daß die Fixkosten der funktionalen Bereiche und der Verwaltung auf eine größere Produktionsmenge verteilt werden können.
Betriebsgrößeneffekt Der Kostenaufwand der Fertigung für groß ausgelegte Produktionsanlagen ist bezogen auf eine Produkteinheit geringer als bei kleinen Anlagen. Eine Kostensenkung in Einkauf, Marketing und Verwaltung ergibt sich durch größere Losgrößen, Auftragsbearbeitung, Produktstandardiersierung, größere Absazmengen.
Know-how Durch verbesserte Fertigungstechniken verringern sich die Kosten; ferner reduzieren echte Lerneffekte Zeit- und Materialeinsatz.

Es bleibt aber anzumerken, daß die Kostenerfahrungskurve keine automatische Kostenreduktion beinhaltet. Vielmehr handelt es sich um ein Kostenreduktionspotential, das vom Management erkannt und ausgenutzt werden muß. Dies kann zum Beispiel durch die konsequente Ausnutzung der Rationalisierungsreserven geschehen.

Die Kostenerfahrungskurve erklärt nicht nur die Entwicklung der Kosten, sondern verdeutlicht auch die unterschiedlichen Preisverläufe und Gewinnpositionen, woraus sich Aussagen über den preispolitischen Spielraum einzelner Wettbewerber machen lassen. Kennt ein Unternehmen seinen relativen Marktanteil, der sich eben als kumulierte Erfahrung darstellt, und den eigenen Stückkosten sowie die Neigung der Erfahrungskurve seiner Branche, so kann er sich ein recht genaues Bild über die Kostenposition der Hauptwettbewerber und deren preispolitischen Handlungsspielraum machen. Ferner begründet die Kostenerfahrungskurve die allgemeine Forderung nach einem hohen Marktanteil, da dieser indirekt hilft, die Kosten zu senken und die Marktstellung zu sichern bzw. auszubauen. Der Anbieter mit dem größten Marktanteil hat nicht nur die Chance, zu den geringsten Kosten zu produzieren, sondern er wird auch die größten Gewinne erzielen können. Daraus folgt, daß zusätzliche Marktanteile zusätzliche sich vergrößernde Erfolgspotentiale schaffen.

Allerdings kann eine blauäugige Kostenerfahrungskurven-Orientierung auch gefährlich werden, denn die konsequente Anwendung der Erfahrungskurvenstrategie kann zu einer Fixierung der Organisationsstrukturen und zu einer steigenden Inflexibilität des Unternehmens führen. Ein Unternehmen, das nur auf Kostenreduzierung bedacht ist, kann Innovationsdefizite erzeugen, deren Folgen sich erst später zeigen.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Beurteilung der Kostenerfahrungskurven ist der sogenannte 'shared-experience-Effekt'. In vielen Fällen können Unternehmen gewonnene Erfahrung auf andere, neue Produkte übertragen und kommen so zu einem weiteren Kostenvorteil.

Im Gegensatz dazu steht die verkürzte Kostenerfahrungskurve von Imitatoren, die auf beobachtete Erfahrungen des Marktführers zurückgreifen oder einfach Erfahrung kaufen, sofern dies möglich ist.





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